Der Sparfuchs kam mal wieder aus mir heraus (und ausserdem hatte ich keine andere Wahl), und ich fuhr heute zunächst mit einem Tuk Tuk zum Bahnhof Kallutarra South, um dort in den Bummelzug nach Colombo Fort zu steigen – 3. Klasse. Das ist auch eine gute Idee: An der offenen Tür werde ich vom Fahrtwind gekühlt und kann auf das Meer hinausschauen. Zur Unterhaltung während der Fahrt gibt es musikalische Untermalung mit Keyboard und Gesang, sowie (zur Abwechslung / Belustigung) eine chinesische Reisegruppe, die wieder nur mit dem perfekt inszenierten Fotos, bzw. Onlinepoker mit dem Smartphone beschäftigt ist.

In Colombo angekommen spaziere ich zunächst ohne Ziel durch die Gegend, bis ich in der Nähe des Hafens mit einem Mann ins Gespräch komme – um ehrlich zu sein: er hilft mir bei der Überquerung einer mehrspurigen Straße. Anschließend erzählt er mir , dass er mal für 1 Jahr in Hamburg (Altona) gelebt hat. Das war ein Argument, um mit ihm ein Tuk Tuk anzuhalten. Er besteht darauf, mir in seiner Mittagspause ein wenig von Colombo zu zeigen.

Somit zuckeln wir mit dem Tuk Tuk Kreuz und Quer durch die Stadt und mir werden dabei Sehenswürdigkeiten wie das „White House“, der Queen Victoria Park und daneben das Independence Memorial, die Stadtviertel Pettah und Cinnamon Garden, den Hinduistischen Tempel, einen buddhistischen Tempel (mit einem Namen, der zu kompliziert ist, um ihn sich zu merken) gezeigt. Dort im Tempel kann man zumindest eine Haarsträhne des Buddha betrachten, und zufällig an diesem Tag wurde ein „Kristallei“ enthüllt, dessen Berührung mir eine Menge Glück bringen soll. Um mein Glück zu komplettieren, bindet mir im Anschluss noch einer der Mönche eine „Pirith Wool“ um mein Handgelenk und wünscht mir mit einer Art Segnung noch viel merh Glück.

Anschließend soll mein Glück durch den Kauf in einer Edelsteinboutique noch multipliziert werden. Hier habe ich dann aber dankend abgelehnt – trotz der Tasse Tee, die mir serviert wird. Ich runde den Besuch der Stadt schließlich durch einen Spaziergang durch die Stadtteile Fort und Galle Face ab. Eigentlich willich abschließend auch der Empfehlung, einen Old English Gin Tonic auf der berühmten Terrasse des Galle Face Hotel zu mir zu nehmen, nachkommen. Doch der Pförtner und ich werden uns einig, dass ich etwas underdressed für das gewählte Etablissement sein könnte.

So gerate ich dann (wieder in der 3. Klasse) im Bummelzug in den Feierabendverkehr bzw. die Rush Hour, was mir einen blauen Ellenbogen beschert und die Erkenntnis einbringt, dass jede noch so kleine und alte Frau in Sri Lanka eine Menge Kraft entwickeln kann, wenn es um den geringsten Millimeter Platz im Zug geht. Aber erstaunlicherweise hat sich niemand der Fahrgäste irgendwie beschwert. Alle Fahrgäste bleiben ruhig und ertragen die Enge in aller Seelenruhe. Ich werde mich in den nächsten Jahren erstmal nicht mehr über die Deutsche Bahn beschweren.

Den Weg vom Bahnhof zum Hotel hab ich dann schließlich auch zu Fuß hinter mich gebracht, um den unbeschreiblichen Lärm und die enorme Feinstaubbelastung aus Colombo auszugleichen.
Auf diesem Fussweg wurde ich mehrfach von den Anwohnern angequatscht. Einer überredete mich schließlich 5 Minuten in sein Haus zu kommen. Erst zeigte er mir sein Haus, ein Fotoalbum aus der Zeit, als er mal in Deutschland lebte und dann bei einer Tasse Tee sollte ich plötzlich mindestens eine Reise mit ihm machen. Irgendwann habe ich mein Nein mit dem Hinweis auf lediglich 40 Rupien in meiner Tasche untermauert.
Dann hat er das Nein wohl verstanden und war der Meinung ich sollte seiner Familie eine Spende zukommen lassen,weil die seit 12 Jahren nach dem Tsunami ihr Haus aktuell noch wiederaubauen. Hier konnte ich nur den Hinweis auf die 40 Rupien in meiner Tasche wiederholen. Unter 1000 Rupien schien gut ihn allerdings alles eine Beleidigung zu sein. Dann sollte ich plötzlich auch schnell gehen. Gerne!