Sri Lanka (5)

Heute ist Montag – es kam schon um 4.45 Uhr der telefonische Weckruf von der Rezeption. Um 5.20 Uhr werde ich abgeholt, um den Tagesausflug nach Kandy anzutreten. Mit an Bord drei weitere Touristen: Ein Ehepaar aus Kassel, die erzählten wo Sie schon überall waren und sich gleichzeitig so benommen haben, als würden Sie schon jenseits des Harzes vor Heimweh und Überforderung umkommen. Ausserdem dieser Kerl aus Österreich – ein Hipster, der erzählt schon im Urwald von Sri Lanka campiert zu haben und Fotos mit seinem iPad macht.

Die erste Etappe führte im Minivan zum Bahnhof „Colombo Fort“. Zum Glück hörte der Regenschauer des Morgens auf, kurz bevor wir am Bahnhof aus dem Bus steigen. Vom Bahnhof aus wurde der Zug um 7 Uhr in Richtung Kandy genommen. Zunächst, während der Zug durch die Vororte von Colombo schaukelte, wie ein kleines Schiff in stürmiger See, hielt es mich noch auf dem reservierten Sitzplatz in der 2. Klasse. Doch als der Zug die ersten Berge erreichte, war die vorbeiziehende, faszinierende Landschaft viel besser an und offenen Tür des Zuges mit noch weiter geöffnetem Mund zu bestaunen.

In Kandy angekommen wartete der Minivan der ersten Etappe bereits auf uns und bringt die Reisegruppe in den botanischen Garten voller eigenartiger und schönen Gewächsen und Bäumen. Um nur eines von vielen zu nennen: Kokosnüsse („Double Coconut„)so groß wie die größten Medizinbälle, die sich ein Felix Magath zu seinen besten Zeiten hätte erdenken können.

Die darauf folgende Station ist (Schuhe aus und hereinspaziert) der Zahntempel. Der, so sagt man, wohl heiligste Tempel in Sri Lanka. Dort ist, wie der Name schon sagt, ein Zahn des Buddha in einem Schrein eingeschlossen. Ich hatte mir ehrlich gedacht, das innere des Tempels wäre viel größer, aber enttäuschend war der Besuch trotzdem nicht, denn durch die betenden Menschen herrschte dort eine unbeschreibliche und so friedliche Stimmung. Der Zahn selbst ist allerdings nicht zu sehen – und auch für die jährliche Zeremonie (im August) wird mittlerweile ein Replikat auf einem Elefanten durch die Stadt getragen. Direkt daneben der riesige Bodhibaum, um den die Leute kreisen und ebenfalls dabei beten und der künstliche See mit der Insel für das Grab des letzten (oder ersten?) Königspaares von Sri Lanka.

Nach dieser Besichtigung bringt uns der Bus zu einem Restaurant zum Mittagsbuffet. Hier bahnte sich das spätere Unheil an: Kurz nach unserer Gruppe enterte eine riesige Gruppe chinesischer Touristen das Restaurant. Trotzdem hat die Reisgruppe das Essen bei toller Aussicht über die Stadt genossen.

Schnell weiter ging es in eine Teefabrik. Nach einem netten Empfang – richtig geraten, die Chinesen hatten das gleiche Ziel – gestaltete sich die Erklärung des Verarbeitungsprozesses von Tee als schwierig. Man konnte leider von den Erläuterungen nicht viel verstehen, da auch teilweise noch Maschinenlärm die Geräuschkulisse abrundete. Bei der anschließenden Teeverkostung war es ebenfalls sehr schnell um die Ruhe geschehen – aus bekanntem Grund. Aber so konnte wenigstens ein unvermeidbares Tee-Verkaufsgespräch schnell abgebrochen werden. Merke: Chinesen treiben den Preis für Tee nach oben.

Somit beschloss die Reisegruppe, die „Gems & Jewellery Factory“ ebenjene sein zu lassen und den direkten Heimweg im Minivan anzutreten – der war immerhin mit ca. 3 Stunden angegeben. Mit ähnlich gemütlichem Tempo, wie schon morgens im Zug, zogen wieder die herrlichen Berglandschaften vorbei. Auf der Strasse wird der Genuss dieser Landschaften leider gedrosselt durch den schon bei der Anreise erläuterten Verkehr mit undurchschaubaren Regeln.

Pünktlich zum Sonnenuntergang schaffte ich es direkt, aus dem Bus einen erneuten Sprung in die Fluten des Ozeans zu springen. Vermutlich bin ich hierbei sogar auf einer Fotoserie von chinesischen Hotelgästen zum Model geworden. Vorsichtshalber habe ich darum den Bauch eingezogen und versucht sehr sehr gut auszusehen – das gehört sich schließlich so als Zeichen der internationalen Völkerverständigung!