Schon beinahe hätte ich es vergessen, aber nun erinnern wir uns kurz und leise an das Ende des letzten Monats zurück. Ich war derzeit auf dem Weg nach Berlin, wollte dort an einem Halbmarathon teilnehmen und es kam wider Erwarten zu folgenden Gedankengängen, die ich wie folgt zitiere:

Es kann ja mal nicht wahr sein. Ihr erinnert euch sicherlich noch an Silvester. Das war der letzte Tag im vergangenen Jahr, für die, die sich das Datum immer mal nicht so merken können. Da wollte ich mich ja nach Bonn verposemuckeln, um dort den Jahresausklang ganz unbenommen zu begehen.
Der fuchsige Leser hat nun schon ein klickern im Kopf und obendrüber ein Licht. Alle anderen seien daran erinnert, dass es auf der Fahrt dorthin zu geringfügigen Komplikationen kam. Angeblich aufgrund des leicht rieselnden Schneefalls. Aber nun wird es wohl Zeit, es zuzugeben: Ich bin Schuld. Damals hatte ich mir schönes weißes Winterwetter gewünscht und dann kam es auch so.
Heute bin ich auf dem Weg nach Berlin. Nun ratet mal was heute passiert ist: Ein „Notarzteinsatz“ verhindert, dass der ICE in dem ich sitze seine geplante Strecke befährt und nun weitläufig über Uelzen, Salzwedel und Stendal umgeleitet wird. Laut einem Bahninformanten gab es einen Selbstmordversuch hannoveranischer Art à la Robert Enke eines Passanten mittels Zug.
Liebe Ossis, die Wende ist nun schon einige Jahre her. Es tut mir leid, dass ich es damals nicht schaffte David Hasselhoff aufzuhalten, den volkseigenen anti-imperialistischen Schutzwall einzureissen. Auch wenn Ihr es erst heute gewahr werdet braucht Ihr euch nicht umbringen. Ja, eure Planwirtschaft war wirklich sehr fortschrittlich und es tut mir leid, dass euch heutzutage nicht mehr gesagt wird, was Ihr genau tun müßt. Das habe ich so nicht gewollt – vor allem nicht, wenn ich wüßte, dass heute deshalb mein Zug wieder eine gute halbe Stunde Verspätung einsammelt. Ich habe Schuld daran, nehme ich jetzt mal an. Aber Ihr müßt euch deshalb nicht alle umbringen und vor Züge springen – also wirklich!
Achso, heute morgen ist es zum Glück gutgegangen: Demonstranten planten in Lübeck Marzipantown den Hauptbahnhof gewaltsam zu besetzen, weil ein Haufen rechtsverblendeter Demonstranten von linken Demonstranten (unter diesen wahrscheinlich auch krawallbereite Zeitgenossen) aufgehalten werden sollten. Hätte die Polizei mir als den Eintritt in den Bahnhof in abrede gestellt, wäre ich auch Schuld an größeren Krawallen. Vor allem, weil ich noch kein Frühstück geschweige denn Kaffee geniessen konnte! Da habt ihr aber mal Glück gehabt, dass ich dort nicht eskalieren mußte und friedlich in den Zug steigen konnte…

So, als Schlusssatz wünschte mir damals noch eine Gute Rest-Reise!