Was war das für ein Lauf? Herrlich! Letzten Samstag, zur Mittagszeit, leichter Nieselregen, 10 – 15 Grad warm. Eigentlich wollte ich den abwarten, aber später am Tag muß ich doch noch arbeiten. Also kann man doch auch endlich mal erste Regenerfahrungen machen. So ein wenig Nieselregen hat früher auf dem Fussballplatz auch nie gestört. Also wird die für Leute mit einer großen Auswahl passender Laufklamotten viel zu dünne / kalte Laufbekleidung (knielange Shorts, kurzärmlig) übergeworfen. Nur ca. 500 m nach dem Start schaut mich aus einem Garten ein Rentner in dickem Friesennerz an und fragt:
„Bei mir isses meine Frau, aber was zum Teufel treibt dich bei diesem Schietwetter raus, mien Jung??“ –
„So schlimm ist das Wetter nun wirklich nicht! Der Wettergott kann mir mal die Backe runterrutschen!“
antwortete ich im vorbeilaufen. Was er dann noch sagte, verstand ich leider nicht mehr – aber weitere 500 m später setzte der Regen aus. Innerlich jubelte ich und dachte mir ein „Ich bin unbesiegbar!“ in Richtung Himmel!
Hinter der nächsten Biegung des Waldweges fing es dann auch prompt wieder an zu regnen – Danke! Soviel dann zu meiner Unbesiegbarkeit…. Ich wünschte mir die wetterfeste Bekleidung der unglaublich aus der Wäsche schauenden Segler auf der Trave an meinen Körper. Das wäre dann eine Ausrede, weil diese Bekleidung wohl jede Bewegung beinahe unmöglich zu machen schien…

Denn weiter ging es kreuz und quer durch den Wald, grob zurück in Richtung Trave. Dort warteten zu jener Zeit eine unzählige Menge an Gänsen auf den Start für den Flug Richtung Süden ins Winterquartier. Dieser Riesenschwarm muß mich bemerkt haben, denn er erhob sich aus dem Wasser. Das schlagen der Flügel muß ungefähr einem ungebremsten Applaus für einen fabelhaften neuen Weltrekord in einem ausverkauften Stadion mit mindestens 100.000 Sitzplätzen geglichen haben! Was für ein Motivationsschub!!! Und dazu das geschnatter ebenjener Vögel. Ich bildete mir spontan ein, dass dieses geschnatter, welches den Applaus um ein vielfaches übertönte, Anfeuerungsrufe sind, die einzig und allein mir gelten! Denn ansonsten war ja weit und breit keine Menschenseele zu sehen! Wer geht bei solchem Wetter auch freiwillig vor die Tür???

… Nach diesem unglaublichen Erlebnis war es mir dann auch beinahe egal, dass ich zu Hause kurz vor der Dusche feststellen mußte, dass ich wohl seit diesem Tag zu einer Minderheit unter der männlichen Bevölkerung gehöre, die eine Erfahrung gemacht hat, die sonst wohl nur Frauen machen, während Sie einen bissigen Säugling stillen: Zwei vom Regen ein wenig verwaschene große rote Blutflecken rund um die Brustwarzen zierten mein Shirt! Glückwunsch. Trotzdem konnte ich mich anschließend glücklich zur Arbeit begeben…
Irgendwie scheine ich dann doch möglicherweise ein Stück weit unbesiegbar zu sein!