„Mehr Beinfreiheit!” – Damit wirbt nicht nur die Autoindustrie. Auch der Frühling schmeichelt und lächelt auf uns herab und wirbt mit kürzeren Rücken und tieferen Ausschnitten. Hab ich mir sagen lassen. Das mag man im allgemeinen, sagt der Knattéorologe. Doch den Kampf als Modepolizist gegen zu dicke Beine in zu wenig Stoff werde ich dieses Jahr (es sei denn, mir platzt akut der Kragen) nicht antreten. Stattdessen werde ich mich lieber wieder über das jährliche gejammere über die Benzinpreise zu Ostern aufregen.
Zunächst möchte ich zu diesem Thema eine Frage stellen: Einem anonymen, aber vertrauenswürdigem und sehr liquidem Käufer, zu dem Sie keinerlei persönliche Beziehung haben, können Sie ein „Produkt X” verkaufen. Es ist absehbar, dass der Kunde dieses Produkt immer wieder bei Ihnen kaufen wird. Würden Sie diesem Käufer das Produkt lieber für 3,50 € oder 7,80 € verkaufen?

Siehste – Hier wird niemand 3,50 € antworten! Es sei denn, da arbeitet jemand bei einer Wohltätigkeitsorganisation, aber diese Leute müssen wir mal eben ausklammern. Denn so, wie in dem von mir konstruierten Beispiel, ist es auch an Deutschlands Tankstellen. Der Autofahrer kauft stupide Benzin. Nur „hintenrum” meckert er, wenn die Benzinpreise mal wieder gestiegen sind. Und auch dieses Jahr gibt es kurz vor Ostern den typischen Preissprung, welcher schon seit Jahren üblich ist. Aber anstatt mal eben nachzudenken wird lieber der Frühjahrsputz zunichte gemacht und wieder jede Menge Scheißhaus- bzw. Stammtischparolen durch die Lokalpresse geworfen. Ich kann es nicht mehr hören!
Lassen Sie mich Ihnen also zwei mögliche Lösungswege vorschlagen:

  • Der emotionale Lösungsweg: Als Grundsatz für diesen Vorschlag nehmen wir mal die Aussage „Zuckerbrot und Peitsche”. Warum meckern Sie immer nur über die Preise an den Tankstellen? Ich schlage vor, dass die Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber auch mal gelobt werden. Danken Sie doch einfach mal, wenn die Preise sinken. Schreiben Sie doch einfach mal eine kleine Email – das wirkt Wunder. Ich habe da mal etwas vorbereitet. Kopieren Sie den folgenden Text einfach und versenden Sie diesen als Email an zum Beispiel Aral, Esso, Shell und Star. Sollte Ihre persönliche Tankstelle nicht darunter sein, nutzen Sie gerne folgenden Text und kopieren den in Ihren Email-Editor:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit größtmöglicher Begeisterung habe ich festgestellt, dass in den letzten Tagen die Preise an der von mir gerne besuchten Tankstelle in < < Hier bitte passenden Ort eintragen >> für Benzin und Diesel gesunken sind, was mir und weiteren Kunden ein preiswertes einkaufen von Treibstoffen für unsere Kraftfahrzeuge ermöglicht.
    Ich möchte mit dieser Email dem allgemeinen Trend, sich ausschliesslich über steigende Benzinpreise zu beschweren, entgegenwirken. Deshalb nochmals in aller Deutlichkeit: Vielen Dank für die Preissenkung in den vergangenen Tagen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ihr freundlicher Kunde
    < < Hier bitte Ihren Namen eintragen >>

  • Der logische Lösungsweg: Ist Ihnen das Benzin zu teuer, dann tanken Sie doch einfach mal nicht. Fahren Sie entweder einfach an der Tankstelle vorbei oder lassen Sie Ihr Auto stehen. Auf diesem Weg können Sie den Tankstellenbetreibern auch ohne große Worte mitteilen, daß Ihnen der Sprit zu teuer ist und Sie nicht bereit sind, den aktuelen Preis zu bezahlen. Schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase von wenigen Wochen werden Sie merken, dass zwei Kilometer zur nächsten Lottoannahmestelle auch wunderbar mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurzuücklegen sind. Das klingt zunächst unglaublich, aber vertrauen Sie mir – ich habe es getestet.

So, ich hoffe, dass dies ein weiterer Beitrag auf der großen Karriereleiter der Serviceleistungen ist und ich helfen konnte. Damit verabschiede ich mich dann auch mal wieder in den Frühling und konzentriere mich wieder auf die eingangs erwähnten kurzen Röcke und tiefen Ausschnitte.