Glaubt mir, es gibt wirklich nicht viele schönere Erlebnisse, als am Ende des Wochenendes am späten Nachmittag mit einem Intercityexpressturbozug quer durch den Ruhrpott zu schlendern. Es fallen einem die schönsten Sachen auf. Aber erst einmal die persönlichen Grüße: Ike, Michi, Sven – danke für ein sehr schönes Wochenende! Es war wirklich amüsant und spaßig. Danke auch an Ruth (mit oder ohne ‚h‘?) für den leckeren Wein und Käse! Ach, Becki: Ich wollte dir noch sagen, daß ich glaube, daß der Bismarck einfach so im Urlaub war und die dann einfach ohne den weitergespielt haben. Der Kaiser war schon in Ordnung. Doch zurück zum Text.
Ich sitze dann also so im Zug. Anpfiff zum Derby zwischen dem FC Vielkoffein und der TSG Einbierzuvielgestern. Kurz bevor der Zug den Hauptbahnhof in Köln verlässt, betritt Sie den Raum. Ich weiß gar nicht, wie ich sie beschreiben soll, denn ich habe sie erst entdeckt, als Sie sich direkt in den sitz vor mir fallen lies, so dass die Sitzreihen erbebten. Nur ihren Lockenschopf konnte ich noch über die Lehne hängen sehen. Elan hat sie ja, dachte ich noch, bis Sie ebenso schwungvoll ihr Mobiltelefon aus der Jackentasche holte. FC Vielkoffein drückt nun bestimmend, vergibt aber vereinzelte Torchancen. Und schon gings los: plapperlaplapperlapappelrappelplapperplapper… In Norddeutschland würde man ja sagen, „Frikadelle am Ohr“, während das im Ruhrpott wohl eher „Boulette annen Kopp“ heißt. Ich dachte wirklich nicht, wie man so lange über solche Belange ohne jeglichen belang telefonieren kann. Prollgebrabbel – aber amüsant. Jeder Satz wurde mit einem schönen „äähr“ (prollpottisch für das hochdeutsche „ey“) beendet. Und begonnen – und ab und zu auch unterbrochen. Bevor ich deshalb brechen konnte, kam jedoch ein Mann (ich schätze ihn auf ein Alter zwischen 50 und 60 Jahren und mit einer akademischer Ausbildung und einem guten Elternhaus ausgestattet) direkt auf Sie zu. Es ergibt sich eine lebhafte Diskussion. Bei jedem ihrer Worte, gepaart mit Ihrer Ausdrucksweise wird mir klar, dass diese „angeblichen Sozialhärtefallproblemfamilien“, welche im von privaten Fernsehprogramm der Menschheit vorgeführt werden wie Zirkustiere:

  • a) wirklich in der Realität vorkommen können.
  • b) gar nicht von islamistischen den schlechtestmöglichen Synchronsprechern im 1. Semester der Berufsschule für Maurer aus Island nachsynchronisiert werden.
  • c) gar keine Laienschauspieler sind, die selbst beim Casting für ZDF-Telenovelas durchfallen würden.

Sie hat dann wirklich leiser telefoniert. Diese Chance nutzt die TSG Einbierzuvielgestern und kontert über die linke Seite. Ich schlafe kurz ein. Doch dann kommt es zum Foulspiel, dem FC Vielkoffein wird ein Elfmeter zugesprochen, als Maik, Stiev und ein weiterer die Szene in Essen betreten: Ja, ich gebe Ihnen recht: es gibt bestimmt sehr geile Miezen da auf der Tuning-Messe, wirklich! Dem Akzent nach zu Urteilen kommen Sie aus östlichen Bundesländern. Ein sehr offensichtlicher Spielzug. Die drei Jungs haben noch viel vor mit Ihren Autos – bevor Sie an einem Baum einer brandenburgischen Landstrasse den vielfach zitierten Disco-Tod sterben werden. Die Jungs stellen sich anschließend aber als so eintönig heuras, dass der FC Vielkoffein sich einlullen lässt und die TSG Einbierzuvielgestern kontrolle über das Spielgeschehen übernimmt. Schon sind wir auch schon in Hamburg. Umsteigen!
Schade – nur 55 Minuten Wartezeit. Das wird eine Party. „Ja, Kumpel. Natürlich kauf ich Dir dein Wochenendticket ab, auf dem du das Fahrdatum mit Bleistift schon mindestens 10 mal korrigiert hast!“ – „Wie bitte? Nein! Man kann Dir keinesfalls an der Nasenspitze ansehen, dass Du den Kauferlös sofort in Drogen umsetzen wirst! Keine Sorge!“ Mal schauen, ob eine Zigarette und frische Luft vor der Tür die TSG Einbierzuvielgestern noch weiter zurückdrängen können. Lustige Gestalten hier: Der Wochenendticketverkäufer, 10 vermutliche Drogendealer und anderes niederes Volk, welches zum Teil auch Wochenendtickets oder Dinge verkauft oder kauft. Reger Handel hier… Und noch in Gedanken versunken wird auch meine Fahrkarte kontrolliert:
„Ey, fährst Du Lübeck?“
„Ja, ich fahre nach Lübeck!“ (Die Betonung liegt auf „nach“.)
„Kann ich mit auf dein Ticket?“
„Ähm … Nein, das ist nur für eine Person.“
„Hast du nix Wochenendticket? Was kostet Lübeck? So 10, 12 Öro?“
„Die Fahrt nach Lübeck kostet ungefähr so viel, kann sein.“
„Steht auf dein Ticket nicht drauf? Kann ich kaufen?“
„Mein Ticket kaufen? Für 60 Euro kannst du es haben.“
„Aber Lübeck kostet so 10, 12 Öro…“
Dann wurde der Dialog unterbrochen, da der werte und mir schon bekante Herr sein Angebot mit dem Wochenendticket erneut unterbreitete. Das sollten aber die beiden mal wieder unter sich ausmachen. Ich schaute noch eben einem Trio, bestehend aus einem ungefähr 18jährigen Jungen Mann im Anzug und seinen beiden gleichaltrigen Begleiterinnen in festlichen Ballkleider hinterher, weil diese ein wenig aus der Menge hervorstachen. Dann war ich letztendlich nur noch froh darüber, dass der Zug bald kam.