Hallo, mein Name ist Tim. Ich bin stolzer Gewinner, auf knatterseite.de einen freien Beitrag verfassen zu dürfen! Davon werde ich noch meinen Enkeln erzählen. Euch erzähle ich folgendes:

Mit einem großen Flatsch sind sie zu Ende gegangen, die 41. Glückstädter Matjeswochen. Der salzige Glibberspaß für die ganze Familie zog erneut eine ganze Woche nicht nur die sprichwörtliche Wurst von den Tellern der sympathischen Altstadt an der Elbe.
Die aufwändige Herstellung und die vielfältigen, leckeren Rezepte der Glückstädter Gastronomie, machen aus dem jungfräulichen, besonders milden Hering, die beliebte Delikatesse mit Eiweißschockgarantie.
„Alles klar, ich bin so weit, bewerft mich mit Matjes!“ meint Fischfachverkäuferin Gerda Hering kurz nach der feierlichen Öffnung der ersten Fässer.

gaeste_matjes_01 Der ursprüngliche Herstellungsprozess wurde bereits im Mittelalter in den Niederlanden entwickelt (vgl. Loggermatjes), aber in Glückstadt werden die Biester noch handgekehlt und ZOSCH in so ne art Salzbottich gedonnert, auf dass die Darmüberreste ihre Enzyme in eine Art Salzlake meandern. Je nach metamorphose der jungen Planktonfresser wird dann ordentlich nachgepökelt! Auch hier gilt: Zuviel ist noch zu wenig.
Der Glückstädter Shantychor „De Molenkieker“ kann ein Lied davon singen und macht das auch immer um halb und um voll auf dem Rathausmarkt. „Matjes Yes! Yes! Yes!“
Es gibt Matjes als Vinegraite, in Sherry, in Rotwein, mediterran, mit Kräutern, nach Hausfrauenart, süß-sauer, in Knoblauch und als grünen Matjeslush (Special Interest) – wer will da nicht? Zugegeben. Aber trotzdem!

gaeste_matjes_02 Wer meint, Matjes sei als Sushi des Norden völlig überschätzt, überschätzt sich in erster Linie selbst und hat keine Ahnung von Matjes im Brötchen mit schön Zwiebeln. Die jungen Heringe sind lecker und vor allem salzig. Ein mehrköpfiges Matjes-Experten-Team sichert hier sowohl Geschmack, spezifische Matschigkeit und natürlich die optischen Reize dieser gammligen Fischmahlzeit.

gaeste_matjes_03 Matjese (sic?) kommen in der Natur bisher nur als unsalzige Heringssymbionten vor und müssen nach wie vor in ihrer Darmsuppe ordentlich unhergeschaukelt werden, bevor sie als emanzipiertes Wesen das Licht der Welt erblicken. Das russische Wissenschaftlerkonsorzium vom Institut für Matjesologie arbeite laut Medienberichten an der Erforschung der Züchtung eines in Bodenhaltung haltbaren salzigen Gegenstück. Kreuzungen von Paarhufern mit einfachen Bismarckheringen stellen aber bisher keine Erfolge in Aussicht. (Zu viele Gräten). Der Rest ist Zukunftsmusik. Bis dahin freut sich die Welt auf weitere spektakuläre Wochen in Glückstadt a.d.E.
Wem die Atmosphäre zum Genuss des zugehörigen Helbing-Kümmel, auf attraktive Menschen und mediterranes Flair verzichten kann, wer schlechte Witze von Shantychorleadsängern erträgt und darüberhinaus es sich noch leisten kann mit dem Auto in das verträumte Städtchen zu gurken, dem seien die 42. Glückstädter Matjeswochen hiermit noch mal mit Hochdruck ans Herz geschmiert.
Auf ein baldiges,
Euer Tim